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MC Bruddaal

 

 

 

 

 

 

 

 

Stuttgart – Du bisch mei Number One!

MC Bruddaal hat Stuttgart mit einem Rap die große Liebe erklärt. Oft macht Stuttgart negative Schlagzeilen. Zu laut, komische Bahnhofspläne, dicker Kessel – MC Bruddaal ist das egal!

Offenbar sind die angeblich negativen Seiten auch vielen anderen Stuttgartern egal. Der Clip hat mehr als 130.000 Klicks. MC Bruddaal rappt sich urschwäbisch die Liebe aus dem Leib und dreht dabei seine Runden auf einem Bonanza-Rad durch die Innenstadt.
(Quelle http://www.dasding.de)

Du bisch mei Number One

Die WM-Leiden des MC Bruddaal
ZVW/Peter Schwarz, 20.06.2018 – 00:00 Uhr

MC Bruddaal hat Migrationshintergrund. Man hört es ihm zwar nicht an, wenn er auf Schwäbisch über Budderbrezl oder Kehrwoch’ rappt, aber so ist es. Und deshalb ist nicht so ganz klar, wem er bei der Fußball-WM am bruddalsten die Daumen drücken wird.
Seine Eltern kamen in den 70er Jahren als Gastarbeiter, er wurde zwar hier geboren, aber zu Hause pflegten sie die Sprache der alten Heimat, auch den Sommerurlaub verbrachten sie immer dort, erst im Kindergarten lernte er Deutsch, und beim Fußball gerät der arme Tropf noch heute in grausame Gewissensnot, wenn sein eines Land gegen sein anderes spielt: typisches Zuwandererkind, zweite Generation.
„Ich bin halt der, der gwinna will“
„Nur dass es bei mir nicht auffällt“ – Henrik Brislow, 37, hat schwedische Wurzeln. Und sein Vater kam nicht, um am Band zu schaffen: Der Kiefer-Orthopäde durfte auf dem streng regulierten schwedischen Zahnarzt-Markt keine eigene Praxis aufmachen, also zog es ihn fort. Der Sohn aber wurde Grafiker beim Zeitungsverlag Waiblingen und nebenbei ein recht bekannter Schwaben-Rapper. „Des hätt mei Muddr au net dacht.“
Für wen ist er, wenn am 23. Juni Deutschland gegen Schweden spielt? Ähm. „Ich freu mich auch, wenn Deutschland gewinnt.“
Ha! Also für Schweden.
Wobei, „ich freu mich schon für Schweden, aber im Zweifel bin ich dann doch für Deutschland“ – weil Schweden ja, wenn’s zum Ende hingeht, in der Regel sowieso schon ausgeschieden ist. „Ich bin halt der, der gwinna will“.
Ha! Also für Deutschland.
Ähm, Moment, „wenn ich in Schweden bin, bin ich eher für Schweden, aber in Deutschland bin ich für Deutschland. Vielleicht ist es ganz gut, dass ich“, wenn am 23. Juni die beiden Teams gegeneinander spielen, „in Schweden bin.“
Ha! Also für Schweden.
Andererseits, er macht dort Wander-Urlaub, just am Tag des Matchs will er den Kebnekaise erklimmen, 2100 Meter, Schwedens höchster Gipfel; in der Berghütte, wo sie übernachten, gibt es womöglich gar keinen Fernseher – und dann müsste er sich nicht festlegen, mit wem er fiebert …
MC Bruddaal schweigt und sinniert. Es gebe, sagt er schließlich, ein Klischee über die Schweden: Es heißt, sie seien „sehr höflich, konfliktscheu“. Vielleicht „ist da bei mir was hängengeblieben“.

Ikea und die Hexe: Eine kleine Landeskunde
Geben wir’s also auf, diese dramatische Frage abschließend zu klären – reden wir über Schweden an sich. Dürfen wir uns seine Kinderurlaube im Norden so ähnlich vorstellen wie aus einem Buch von Astrid Lindgren, „Ferien auf Saltkrokan“, „Michel aus Lönneberga“? Durchaus, sagt Brislow. Mückengestöber über den Wildblumen auf sonnenglitzernder Wiese, eine Sommerhütte mitten im Wald, unweit ein kleines Fischerdorf. So ist Schweden: „Mehr Platz, weniger Leute.“ Größere Fläche als Deutschland, weniger Einwohner als Baden-Württemberg. 23 Leute pro Quadratkilometer. Bei uns sind’s 230.
Richtig, dass die Menschen dort oben in der Regel eher nicht so sind wie ihr berühmtester Kicker, der genial behämmerte Zlatan Ibrahimovic? Stimmt, sagt Brislow: „Der ist nicht so der typische Schwede.“ In Schweden, „leicht kommunistisch angehaucht“, herrsche ein ungeschriebenes Gesetz: „Alle sind gleich.“ Die meisten fahren nicht mit einem blitzenden Daimler rum, sondern rumpeln in „alten Rostlauben“.
Richtig, dass Schweden friedlich, sicher und beschaulich ist, nicht wie Rom, Italien, wo der angstgepeinigte deutsche Tourist den Geldbeutel an einem Strick um den Hals trägt und dauernd panisch über die Schulter äugt, ob ein Gauner auf der Vespa von hinten anbraust? Nun ja, antwortet Brislow: Als er 18 wurde, fuhr er mit Kumpels nach Stockholm. „Am ersten Tag wurde unser Auto aufgebrochen.“
Richtig, dass die Menschen in Deutschland, wenn sie von seinen Wurzeln hören, sofort „Ikea“ sagen? „Immer.“ Und danach gleich „Smörrebröd“. Bloß sei das leider dänisch. Die Schweden hingegen antworten, wenn er von Deutschland erzählt, ebenfalls mit einem einzigen Wort: „Bier.“
Richtig, dass die Schweden eine etwas eigenartige Trinkkultur pflegen? Ja, sagt Brislow, das liege daran, dass Alkohol so teuer ist. Jugendliche machen sich deshalb gerne ein Mischgetränk namens „Hexe“: Sie gehen heimlich an den elterlichen Schnapsschrank und schütten aus jeder einzelnen Flasche, die dort steht, einen Schluck in ihr Glas; so fällt es nicht auf, dass was fehlt.
Oder sie nehmen die Fähre von Göteborg nach Kiel, gluckern schon auf dem Schiff, kommen morgens an, gehen direkt ins Kieler „Hofbräuhaus“ – es liegt, ehrlich wahr, am „Schwedenkai“ – und holen danach im Supermarkt eine Palette Dosenbier für die Rückreise.
Letzte Frage: Wird es, falls Schweden Weltmeister wird, in Stuttgart einen Autokorso geben? Denkbar, sagt Henrik Brislow. Aber weil „die schwedische Community“ in Schwaben „halt ein bisschen kleiner“ ist, könnte die Fahrzeugschlange recht kurz ausfallen: viereinhalb Meter vom Kühlergrill bis zum Kofferraumschloss – „ich und mein alter 190er“.

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